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Unsere elisabethinische Spiritualität ist tief im Alltag verwurzelt. Nicht nur im Gebet sondern auch in unserer Gemeinschaft, in der Liebe zu unseren Mitmenschen und in der Freude an der gesamten Schöpfung.

Die heilige Elisabeth und der heilige Fransziskus sind mit ihrem Leben und Wirken unsere spirituellen Vorbilder. Sie waren davon überzeugt, dass Beten, das nicht im praktischen Tun der Liebe mündet, fruchtlos bleibt. So wollen auch wir das Gebet und unseren Dienst an den Mitmenschen und an der Schöpfung als zwei Seiten einer Medaille verstehen und in beidem die Schönheit als eine Quelle unserer Kraft erkennen.

Brot und Rosen - die auch in der Geschichte vom Rosenwunder der hl. Elisabeth vorkommen - sind für uns Sinnbild unserer Spiritualität. Das Brot steht für alles, was wir uns durch unser Tun, unser Denken und unser Gebet erarbeiten. Die Rosen stehen für all das Schöne, an dem wir uns auch ohne unser aktives Zutun erfreuen dürfen. 

Hl. Elisabeth von Thüringen

1207 - 1231, Ordenspatronin

Als Landgräfin Elisabeth von Thüringen die ersten Fransiskaner kennenlernte, übte ihr Ideal der befreienden Besitzlosigkeit großen Einfluss auf sie aus. Beeindruckt von deren Lebensweise stellte Elisabeth ihr Leben in den Dienst der Nächstenliebe für Arme und Kranke.

"Wir müssen füreinander da sein, weil Gott und gezeigt hat, dass er für uns da ist."

Bereits als Landesfürstin begnügt sich Elisabeth nicht mehr mit dem Geben von Almosen, sondern beginnt im Dienst an Kranken und Bedürftigen schwere und von ihren Zeitgenossen als entwürdigend angesehene Tätigkeiten zu verrichten. Ab dem Jahre 1226 hilft sie außerdem in dem Spital, das sie am Fuß der Wartburg errichten ließ, persönlich bei der Pflege der Kranken und wendet sich besonders liebevoll den aussätzigen, schmutzigen und verkrüppelten Kindern zu. Nach dem Tod ihres Mannes Ludwig lässt Elisabeth bereits im Sommer 1228 mit einem Teil ihres Witwenerbes außerhalb der Stadtmauern von Marburg ein Spital bauen, das zu Beginn des Winters die ersten Kranken aufnehmen kann. Als Patron des Hospitals wählt Elisabeth den heilig gesprochenen Franz von Assisi. Wie ihr Vorbild Franziskus widmet sie sich besonders der Pflege von Aussätzigen. Außerdem verteilt sie ihr Geld an die Armen und löst sich von ihrem Leben als Landesüfrstin Thüringens, als Ehefrau und Mutter, und gibt auch das Letzte auf, was ihr aus dieser Zeit geblieben ist. Dadurch wird sie völlig frei für den Dienst an den Armen und Kranken. In diesen Dienst stellt sie sich mit ganzem Herzen und ganzer Kraft - ohne jeden Vorbehalt. Berichte schildern Elisabeth als eine selbstlose, hingebungsvolle, von innerer Heiterkeit und tiefer Nächstenliebe erfüllte "Mutter der Kranken und Armen".

"Seht, ich habe euch gesagt, dass wir die Menschen froh machen müssen!

Hl. Franziskus von Assisi

1182 - 1226, Ordenspatron

Franz von Assisi war ein Heiliger für alle Zeiten, ein Heiliger für alle Menschen. Er predigte Frieden in einer Zeit, in der ein Leben ohne Krieg undenkbar war. Er umarmte die Armen, während andere sie mit Verachtung behandelten. Und er verbündete sich mit der Natur Jahrhunderte bevor die Menschheit ihre Verbindung zu jedem Lebewesen verstand.

Viele große Heilige haben uns Diskurse über ihre Reise zu Gott hinterlassen. Franz von Assisi spricht uns jedoch viel mehr durch sein Leben als durch seine Schriften an. Seine uneingeschränkte, enthusiastische praktische Anwendbarkeit ist für uns heute eine Herausforderung, wenn wir auf unserem Weg zu Gott nach Sinn und Erfüllung suchen. Er bat seine Brüder, das Evangelium zu predigen und dabei „wenn nötig Worte zu benutzen“.

Die Gott-Suche führte Franziskus oft über dunkle Wege und erforderte oft radikale Richtungsänderungen, aber er suchte und fand seinen Gott durch eine inkarnative Herangehensweise. Gott war sein liebender Vater und alles, was er hatte, war eine Gabe; Christus war sein Bruder, und der Geist dieser Liebe lebte in ihm. Diese Sicht führte zu einer Vertrautheit mit allen Wundern der Schöpfung, sodass er die gesamte Schöpfung als Schwester und Bruder ansprechen konnte.

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn Bruder Sonne,
der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz:
von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und die Sterne.
Am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Wind,
für Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deine Geschöpfe am Leben erhältst.

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser.
Sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Feuer,
durch den du die Nacht erhellst.
Und schön ist er und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.

Gelobt seist du, mein Herr, für jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Not.
Selig, die ausharren in Frieden,
denn du, Höchster, wirst sie einst krönen.

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod;
kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig, die er finden wird in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt und dient ihm mit großer Demut.

Franziskus sprach also nicht so sehr über Spiritualität, als er sein Gebet lebte - als früher Biograf sagte Thomas von Celano: „Er wurde zum Gebet“, und in seiner Beziehung zu Gott würde er seine Anhänger dazu bringen, sich ihm anzuschließen. „Halte nichts von dir für dich zurück, damit derjenige, der sich dir völlig hingibt, dich vollständig aufnimmt.“