Ein unverzichtbarer Dienst

Im VinziDorf-Hospiz der Elisabethinen übernehmen Ärztinnen eine einzigartige ehrenamtliche Rufbereitschaft

 

Ehrenamtliche sind eine wertvolle Stütze im Betrieb des ersten Hospizes für Obdachlose. Dass rund um die Uhr ärztliche Versorgung auf Abruf möglich ist, gelingt dank einer engagierten Gruppe von ehrenamtlich mitarbeitenden Medizinerinnen. Eine von ihnen ist Dr.in Magdalena Hadl.

 

Frau Dr. Hadl, Sie arbeiten sowohl hauptamtlich, als auch ehrenamtlich als Ärztin im VinziDorf-Hospiz der Elisabethinen Graz. Was machen ehrenamtliche Ärztinnen in diesem Hospiz?

ALS EHRENAMTLICHE besetzen wir eine ärztliche Rufbereitschaft am Wochenende und unter der Woche zwischen 15 und 7 Uhr. In der übrigen Zeit sind die Stationsärztinnen und -ärzte der Palliativstation auf Abruf verfügbar. Damit ist rund um die Uhr eine ärztliche Bereitschaft sichergestellt, der 24-Stunden-Betreuer kann jederzeit einen Arzt bzw. eine Ärztin anrufen. Ich werde, wenn ich Rufbereitschaft habe, angerufen, wenn bei einem Bewohner eine unvorhersehbare oder akute Situation auftritt, zum Beispiel Schmerzen, Übelkeit, Atemnot oder Erbrechen. Manche Fragen lassen sich telefonisch klären. Wenn nicht, fahre ich ins VinziDorf-Hospiz.

 

Woher kommen die ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzte?

WIR SIND ALLE KOLLEGEN mit jus practicandi, also der Berechtigung, als Wohnsitzärzte zu arbeiten. Das ist die rechtliche Voraussetzung dafür, Rufbereitschaften übernehmen zu können. Das Team ist sehr bunt zusammengesetzt, wir haben Internisten, Chirurgen, Allgemeinmediziner und Neurologen dabei. Die meisten von ihnen arbeiten in Grazer Krankenhäusern. Die Motivation ist sehr hoch und alle engagieren sich toll. Dieser ehrenamtliche Dienst ist unverzichtbar, ohne ihn wären mehr Krankenhauseinweisungen notwendig.

 

„Ich finde, es ist ein wichtiger Teil im Leben, Dinge zu tun, von denen man überzeugt ist.“

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich ehrenamtlich im VinziDorf-Hospiz zu engagieren?

DAS MÖCHTE ICH auf zwei Ebenen beantworten: Einerseits, warum es mir überhaupt wichtig ist, mich ehrenamtlich zu engagieren, und andererseits, warum ich es im VinziDorf-Hospiz tue. Ich finde, es ist ein wichtiger Teil im Leben, Dinge zu tun, von denen man überzeugt ist, bei denen man eine andere Wertschätzung bekommt als ein Honorar. Deshalb habe ich mich schon während des Medizinstudiums nebenbei ehrenamtlich engagiert.

Als ich vor gut einem Jahr im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz zu arbeiten begonnen habe, wurde das VinziDorf-Hospiz gerade eröffnet. Das Konzept hat mich fasziniert, weil dort zwei Lebenssituationen zusammentreffen: Unheilbar schwere Krankheit und eine existenzbedrohend prekäre Wohnsituation. Diese doppelte Verzweiflung der Menschen wird durch das VinziDorf-Hospiz gelöst. Palliativmedizin versteht sich darin, dass – auch wenn man die Krankheit nicht heilen kann – Heilung auf einer anderen Ebene möglich ist, eine Art seelische Heilung. Das erfahren unsere Bewohner im VinziDorf-Hospiz.

 

Besteht ein Unterschied zwischen der Arzt-Patienten-Beziehung im Krankenhaus und im VinziDorf-Hospiz?

STATIONÄRE AUFENTHALTE auf der Palliativstation haben meist den bitteren Beigeschmack, dass man darüber sprechen muss, wann die Entlassung wohin erfolgt. Im VinziDorf-Hospiz dürfen die Bewohner bleiben, sie sind dort zuhause. Man ist von einer wohnlichen Atmosphäre umgeben, in der es auch Alltagsthemen und Gespräche auf persönlicher Ebene gibt. Ich lerne die Menschen im Hospiz auch besser kennen als auf der Palliativstation, weil sie dort länger betreut werden.

 

Das VinziDorf-Hospiz hat im April sein 1-jähriges Bestehen gefeiert. Gibt es aus diesem Jahr eine Begebenheit, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

ICH HABE MEHRMALS ERLEBT, dass die ehrenamtliche Rufbereitschaft sehr sinnvoll ist. An einem Wochenende hat mich die 24-Stunden-Betreuerin angerufen, weil eine Patientin sehr starke Schmerzen hatte. Sie hat laut geschrien und ist mit aufgerissenen Augen im Bett gesessen. Ihre Angehörigen waren gerade zu Besuch und waren hilflos. Ich bin sofort in das Hospiz gefahren und habe alles Nötige getan, damit die Schmerzen nachlassen. Der große Vorteil des Hospizes war hier, dass ich die Frau schon lange und gut als Patientin kannte und deshalb wusste, warum und wo sie Schmerzen hat. Ich konnte ihr Linderung verschaffen und habe unmittelbar ihre Dankbarkeit gespürt. Das war schön – zu sehen, dass mein ehrenamtlicher Dienst einen Sinn erfüllt.

 

A. FELBER