Von der Industriekauffrau zur Topmanagerin

… und trotzdem blieb sie bis heute eine einfache Ordensfrau

 

Die Rede ist von Sr. Engelberta Augl. Die gelernte Industriekauffrau hätte auch in der Voest eine große Karriere vor sich gehabt, aber der Ruf in die Ordensgemeinschaft der Elisabethinen in Linz war stärker. So trat sie am 2. Februar 1956 in den Orden ein und „wuchs mit den Aufgaben“, wie sie selbst ihren Werdegang bescheiden umschreibt. Tatsächlich aber stecken dahinter harte Arbeit, ständige Weiterbildung, Engagement, Zielstrebigkeit und Weitblick. Sie wurde Topmanagerin und blieb einfache Ordensfrau.

AN DIESER STELLE seien die Meilensteine ihres Lebenswerks für die Elisabethinen genannt, nicht als Leistungsschau – das würde dem Charisma der Elisabethinen widersprechen – sondern als schlichte Zusammenfassung eines langen beruflichen Wirkens, das ein Leben ausgefüllt hat und in diesem Sinn Wertschätzung und Anerkennung verdient.

Eigentlich sollte Sr. Engelberta Pharmazie studieren, da begannen 1957 die Bauarbeiten (A-Bau). Sr. Innocentia wusste um ihr kaufmännisches Geschick und erkannte ihre Stärken im Bereich der Organisation und Administration. So wurden ihr die Aufgaben des Rechnungswesens und der Lohnverrechnung für alle Dienstnehmer des Hauses übertragen, ebenso die innere Organisation, und auch in die Bauvorhaben wurde sie schon sehr früh einbezogen. Das Krankenhaus wurde immer größer und somit auch die Aufgaben von Sr. Engelberta.

Aufbau und Entwicklung der Informationstechnologie

1968 nahm Sr. Engelberta den ersten Computer des Krankenhauses in Betrieb. Die gesamte Buchhaltung wurde nun über dieses System abgewickelt. Sr. Engelberta hielt ihre EDV Kenntnisse stets auf dem Laufenden und organisierte und leitete den Aufbau der EDVAbteilung. Bis 1993 war sie für die Entwicklung der Informationstechnologie verantwortlich und leistete dabei oft Pionierarbeit. Das von ihr gemeinsam mit einer IT Firma entwickelte Krankenhaus-Software-Paket wurde in vielen Krankenhäusern Österreichs eingesetzt. Das Krankenhaus der Elisabethinen war das erste Krankenhaus in OÖ, das auf eine Client-Server-Architektur setzte. Bereits 1991 war ein Glasfaser-Netzwerk installiert, an dem die PCs angeschlossen waren.

Krankenhaus Management

Von 1983 bis 1987 absolvierte Sr. Engelberta berufsbegleitend den Lehrgang für Krankenhaus-Management, den sie mit dem Berufstitel „Diplomierter Krankenhausbetriebswirt“ mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss. In einem Pilotprojekt erarbeitete sie ein neues, leistungsorientiertes Finanzierungsmodell. Durch die Zusammenführung der Kostenrechnung und der Kostenträgerrechnung konnte so der Krankenhausbetrieb damals schon transparent abgebildet werden. Dieses Modell bildete die Basis für die ab 1996 österreichweit gültige Krankenhausfinanzierung, das sogenannte „leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierungssystem“.

1993 übernahm Sr. Engelberta die Verwaltungsdirektion, und 2005 gemeinsam mit Dir. Dr. Harnoncourt die Geschäftsführung.

Mitwirkung im Krankenanstalten-Zusammenarbeitsfonds

Von 1974 bis 1996 vertrat Sr. Engelberta gemeinsam mit Prof. Dr. Haslinger die konfessionellen Krankenhäuser in diesem Zusammenarbeitsfonds und nahm ihre Funktion sehr gewissenhaft wahr.

Vorstandsmitglied der „Vereinigung der Krankenhaus-Direktoren Oberösterreichs“

Von 1993 bis 2011 war Sr. Engelberta Vorstandsmitglied dieser Vereinigung und setzte sich in dieser Funktion sehr für die gute Zusammenarbeit zwischen den OÖ. Krankenanstalten ein. Durch Vernetzung und Optimierung der Administration trug sie mit ihren Kollegen dazu bei, dass der Verwaltungsaufwand minimiert und das Geld für die Behandlung der Patienten verwendet werden konnte. Um sich ein Bild vom Gesundheitswesen in anderen Ländern zu machen, wurde von den Verwaltungsdirektoren jährlich eine Studienreise in ein europäisches Land organisiert, an der Sr. Engelberta oft teilnahm und ihren Weitblick schärfte.

Aufsichtsratsvorsitzende und Generalökonomin

Nach ihrem Ausscheiden aus der Geschäftsführung konnte Sr. Engelberta als Aufsichtsratsvorsitzende in der Elisabeth von Thüringen GmbH, sowie in der Krankenhaus der Elisabethinen Linz GmbH weiterhin die Ausrichtung der Unternehmen der Elisabethinen mitgestalten. Aber auch im Konvent ist ihr große
Verantwortung als Generalökonomin übertragen.

In ihren bisherigen 60 Jahren als Ordensschwester hat Sr. Engelberta mit großer Hingabe und Kompetenz nicht nur die Einrichtungen der Elisabethinen in Linz maßgeblich mitgestaltet, sie hat auch darüber hinaus ihre spirituelle Kraft in großer Offenheit weit spürbar werden lassen.

 

A. RETSCHITZEGGER
M. ETLINGER