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Ruhe, Regelmäßigkeit und Entspannung

Ruhe, Regelmäßigkeit und Entspannung

Interview mit Dr.in Ulrike Göschl, seit 2011 ärztliche Leiterin im Kurhaus Marienkron.

 

 

Marienkron feiert heuer 50 Jahre Kurhaus. Was hat sich in 50 Jahren im medizinischen Konzept und in der Umsetzung geändert? Was ist – aus dem Blickwinkel der Medizin –  mit der Neueröffnung und dem Umbau ganz neu, was ist vom „alten“ Kurhaus geblieben?

Dr.in Göschl: Marienkron wurde vor 50 Jahren von den Klosterschwestern hier gegründet, um Menschen zur Ruhe kommen zu lassen. Sie sollten spüren, dass manchmal weniger mehr sein kann und sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren können.

Die Kneippmedizin und das Fasten waren von Anfang an ein Mittel dazu. Im Grunde genommen hat sich daran nicht viel verändert – und doch auch wieder schon. Heute gibt es zunehmend Studien, die die gesunderhaltende Wirkung des Fastens, aber auch zum Beispiel von Meditation bestätigen. Wir bauen auf unser eigenes Wissen der letzten 50 Jahre in Kombination mit den laufenden wissenschaftlichen Entwicklungen und ermöglichen so ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das nachhaltig zu einem gesünderen Lebensstil führt.

 

Pro Jahr hatten Sie vor dem Umbau etwa 3.000 Besucherinnen. Wie kann man da auf Individualität setzen?

Dr.in Göschl: Jeder Gast wird in einem Beratungsgespräch mit dem Arzt bzw. der Ärztin zum derzeitigen Gesundheits- und Belastungszustand befragt und gemeinsam wird ein individuelles Behandlungs- und Ernährungskonzept für den Aufenthalt bei uns zusammengestellt. Wir empfehlen deshalb auch, mindestens 10 Tage zu kommen, damit genug Zeit ist, die Therapien gut zu verteilen und ein weiteres ärztliches Gespräch mit Empfehlungen für zu Hause möglich ist.

 

 

Der Aufenthalt in Marienkron soll als Anstoß wirken, ein gesünderes Leben zu führen. Wie bereiten Sie ihre Besucherinnen auf die Zeit nach Marienkron vor?

Dr.in Göschl: Durch die Ruhe, Regelmäßigkeit und Entspannung vor Ort tritt schon eine gewisse Umstimmung und Sensibilisierung dafür ein, was einem guttut. Mit Anleitungen zur Eigenanwendung unterstützen wir auch die Handhabe, im Alltag zu Hause Gesundheit zu erhalten bzw. kleine Wehwehchen selbst zu behandeln. Dadurch festigen wir „Diaita“ im ursprünglichen Sinne, einen gesunden Lebensstil.

 

Die Speisen in Marienkron sind vegetarisch. Empfehlen Sie generell vegetarische Ernährung? 

Dr.in Göschl: Während eines Aufenthaltes in Marienkron die Möglichkeiten einer vegetarischen Ernährung kennenzulernen, ist nicht nur kulinarisch, sondern auch gesundheitlich interessant. Einmal ohne viel tierisches Eiweiß auszukommen, ist nachweislich entzündungshemmend, niedrigkalorische Phasen sind nach neuesten Studien deutlich gesunderhaltend. Nicht alle gesunden Menschen müssen vegetarisch leben, aber eine deutliche Verschiebung Richtung gemüsebetonter Kost tut nicht nur uns, sondern auch der Umwelt gut.

 

„Gesundheit beginnt im Darm“, diesen Ausspruch kennt man. Aber warum ist Darmgesundheit so wichtig?

Dr.in Göschl: Unser Darm ist nicht nur dazu da, Nahrungsbestandteile und Flüssigkeit aufzunehmen, er ist durch die Exposition mit Fremdstoffen auch ein riesiges Immunorgan mit weitreichenden Auswirkungen. In der neuesten Forschung wird die Mikrobiota, früher Darmflora, intensiv beforscht und es werden laufend neue Ergebnisse publiziert. Tatsächlich produzieren die mit uns in Gemeinschaft lebenden Darmbakterien auch viele wichtige Stoffe, die im ganzen Körper Einfluss haben.

 

In der schnelllebigen Zeit sind viele Menschen durchgehend gestresst. Wie wirkt sich der Stress auf unseren Darm aus?

Dr.in Göschl: Prinzipiell ist unser Körper dafür gemacht, auf belastende Sitiuationen entsprechend zu reagieren, damit auch der Darm. Probleme entstehen erst bei chronischer Stressbelastung, wenn die Psyche und damit auch der Darm nicht mehr zur Ruhe kommen können – typische Symptome wie Durchfall, Blähungen oder Unverträglichkeiten können die Folge sein. Weitreichende Veränderungen und die Auswirkungen auf die sogenannte Darm-Hirnachse sind Thema vieler Forschungsgruppen.


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