Unterstützung, wo sie am nötigsten ist

Unterstützung, wo sie am nötigsten ist

Die Elisabethinen begleiten Menschen am Rand der Gesellschaft - seit hunderten von Jahren. Kornelia Winkler leitet das Elisabethbrot, die mehr als 300-jährige Einrichtung der Elisabethinen in Wien.

 

Wahre Gastfreundschaft zeigt sich, wenn man auch Gäste aufnimmt, die am Rand der Gesellschaft leben. Wir möchten Ihnen hier vier Beispiele vorstellen, wo die Elisabethinen sich um bedürftige Menschen kümmern, auf durchaus unterschiedliche Weise.

 

Ausspeisung für Bedürftige

Jeden Vormittag findet sich bei einer unauffälligen Eingangstür zum Kloster der Elisabethinen, der ehemaligen Pforte in der Linzer Bethlehemstraße, eine Gruppe von Menschen ein. Ihr Ziel: die von Sr. Petra Fuchs betriebene Ausspeisung. Seit der Gründung ihres Klosters in Linz im Jahr 1745 verteilen die Elisabethinen Speisen an Bedürftige. Heute macht das Sr. Petra mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen. Jeden Tag zwischen 10:30 Uhr und 12:00 Uhr kommen Menschen zu ihr, die sich ein anständiges Essen nicht leisten können.

Das Essen kommt frisch aus der Krankenhausküche, finanziert wird die Einrichtung vom Konvent. Zwischen 20 und 40 Personen, darunter hauptsächlich Menschen mit sehr niedrigen Einkommen, aber auch psychisch Kranke, Alkohol- und Drogenabhängige, kommen täglich. Sie dürfen bei Sr. Petra und ihrem Team zu Gast sein. Salate, Nachspeisen, Brot und Tee stehen zur freien Entnahme bereit. Die Besucherinnen und Besucher können sogar Portionen für Freundinnen und Mitbewohnerinnen mitnehmen, wenn diese nicht selbst kommen können.

Viele kommen täglich, manche nur sporadisch. Teils kennt Sr. Petra ihre Lebensgeschichten, teils bleiben sie privat. Seit 16 Jahren arbeitet sie täglich bis auf die Sonn- und Feiertage an diesem Mittagstisch für bedürftige Menschen. Probleme und Konflikte sind selten, kommen aber vor. Doch auf dem Hintergrund ihrer reichen Erfahrung mit den Menschen kann Sr. Petra geduldig und gut damit umgehen.

 

Ein Gartenfest, das alle verbindet

Seit Jahren gibt es bei den Elisabethinen Klagenfurt ein Projekt der Drogenberatung VIVA der Stadt Klagenfurt. Dabei handelt es sich um einen Therapiegarten für suchtkranke Menschen. Die Generaloberin, Sr. Consolata Hassler, hat einen Teil des großen Gartens für diese soziale Arbeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Als Abschluss jeder „Saison“ wird ein Gartenfest gefeiert, zu dem auch die Ordensschwestern als Gastgeber eingeladen sind. Da wird gegrillt, geplaudert und gelacht, alle sind guter Dinge und freuen sich schon auf das nächste Jahr.

Säen, pflanzen, jäten, ernten. Gärten produzieren nicht nur schmackhafte Früchte, sondern haben auch einen enormen Wert für das psychische und physische Wohlbefinden jedes Menschen. Aus diesem Grund hat die Drogenberatung VIVA des Magistrates Klagenfurt 2008 als eine der ersten den therapeutischen Wert eines Gartens erkannt und mit Absegnung durch Bürgermeisterin Dr.in Maria Luise Mathiaschitz in Angriff genommen. Unterstützt wird die Initiative von den Ordensschwestern der Elisabethinen, die eine Anbaufläche zur Verfügung stellen und die Initiative bis heute wohlwollend begleiten.

Generaloberin Sr. Consolata Hassler: „Uns als Elisabethinen-Konvent ist es wichtig, dass neben den Patientinnen und Patienten des Elisabethinen-Krankenhauses auch anderen Anspruchsgruppen im sozialen Bereich Hilfestellung geleistet wird. Es freut uns, dass wir mit dem Magistrat der Stadt Klagenfurt bei diesem Projekt so gut zusammenarbeiten.“

 

Die älteste Suppenküche Wiens

Wien, 3. Bezirk. Am Eingang zur Ungargasse 3 hängt ein unscheinbares Schild mit der Aufschrift „Elisabethbrot“. Dahinter versteckt sich die älteste Suppenküche Wiens. Seit der Gründung des Elisabethinen-Konvents in Wien im Jahr 1710 betreiben die Ordensfrauen diese Einrichtung. Seit 2005 befindet sie sich am aktuellen Standort.

Sr. Paula ist seit vielen Jahren die gute Seele des Elisabethbrots. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen kümmern sich in vielen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden um die Versorgung von bedürftigen Menschen mit Speis und Trank. Dabei ist es Sr. Paula ein großes Anliegen, die Gastfreundschaft hochzuhalten. Und diese Gastfreundschaft wird täglich von mehr als 100 Menschen gerne angenommen. Egal aus welchem Grund sie das kostenlose in Anspruch nehmen, sie sind herzlich willkommen.

Die Lebensmittel stammen allesamt aus großzügigen Spenden. Eine Kooperation mit Supermärkten, eine Partnerschaft mit einer Großküche und viele Einzelspenden tragen dazu bei, dass das Elisabethbrot auch weiterhin für viele Menschen in Wien ein Ort bleiben kann, an den sie täglich gerne kommen, um sich zu stärken.

Letztes Zuhause für Obdachlose

Anlässlich des 325-Jahr-Jubiläums stellten sich die Elisabethinen Graz die Frage: Wo würde die hl. Elisabeth heute anpacken? Sie stießen auf eine Gesellschaftsgruppe, die üblicherweise niemand wahrnimmt oder aufnimmt: Obdachlose Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung. Für diese Menschen gründete der Konvent der Elisabethinen Graz 2017 das VinziDorf-Hospiz, wo diese Randgruppe mit Gastlichkeit und Herzenswärme aufgenommen wird. Dieses Hospiz mit zwei Betten ist das erste seiner Art. Jede volljährige Person, die eine stationäre Hospizversorgung benötigt und wohnungslos ist oder eine prekäre Wohnsituation hat, kann aufgenommen werden, auch wenn kein Versicherungsschutz vorliegt.

 

Das VinziDorf-Hospiz vereint zwei Bereiche: Die medizinisch-pflegerische Betreuung unheilbar kranker Menschen und die Versorgung obdachloser Menschen mit Wohnraum. Der Alltag in diesem letzten Zuhause richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen der Bewohner. Sie dürfen Vertrauen fassen, Geborgenheit erfahren und die Dinge, die ihnen Freude bereiten, genießen. All das ist möglich, weil sie fachlich bestens betreut sind. Sie wissen, dass sie im letzten Atmenzug nicht allein sein werden und keine Schmerzen haben müssen. Zusammenfassend lässt sich das Gefühl im VinziDorf-Hospiz in drei Worten beschreiben: Am Ende. Leben.

M. Etlinger, A. Felber, K. Kogler