Zu Gast bei ...

Zu Gast bei ...

Gastfreundschaft - einer der elisabethinischen Grundsätze

 

 

Jetzt kommt sie wieder, die Zeit der Familienfeste rund um Weihnachten. Gastfreundschaft geht traditionell aber über den Kreis der Familie und der Freunde hinaus. Die freundliche Aufnahme von Gästen steht dabei im Mittelpunkt, meist begleitet von Essen, Trinken und guten Unterhaltungen. Seit tausenden von Jahren weltweit.

 

Die Gastfreundschaft ist in vielen Kulturen der Erde ein tief verwurzeltes Grundprinzip. In der christlichen Tradition gilt sie als eines der sieben Werke der Barmherzigkeit, die in der Endzeitrede Jesu im Matthäus-Evangelium aufgezählt sind. Aber auch im Judentum, im Islam und in anderen Religionen stellt die Gastfreundschaft eine wichtige Norm des Zusammenlebens der Menschen dar, die in vielen Erzählungen und Büchern ausführlich mit Beispielen beschrieben und überliefert wurde.

Die Versicherung für Reisende

Seit jeher vertrauen Menschen darauf, dass sie bei anderen Menschen freundlich aufgenommen und von ihnen gut versorgt werden. Als Gast oder Besucher hat man sozusagen gewisse Rechte, die aber zeitlich begrenzt sind. Der Gastgeber steht im Gegenzug in der Pflicht, sich um seinen Gast zu kümmern, und kann darauf vertrauen, dass diese Verpflichtung nicht allzu lange dauert. In manchen Völkern war diese Dauer sogar genau festgeschrieben, beispielsweise betrug sie bei nomadischen Völkern Vorderasiens drei Tage und vier Stunden. In dieser Zeit wurde ein Gast mit dem Nötigsten versorgt und gegen feindliche Angriffe verteidigt. Damit stellte diese institutionalisierte und von den Religionen getragene Gastfreundschaft das Überleben von Reisenden sicher.

Die Verankerung in religiösen Normen stellt einen wichtigen Grund dar, warum die Gastfreundschaft so weit verbreitet ist. Ein weiterer Grund liegt sicherlich im Prinzip der Gegenseitigkeit. So kann eine Gastgeberin darauf vertrauen, selber Gast sein zu dürfen, wenn sie in der Fremde ist. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass ich als Gast eine zukünftige Verpflichtung meiner Gestgeberin gegenüber eingehe. Die Gastfreundschaft sollte nicht von einer Gegenleistung abhängig gemacht werden.

Auch bei den Elisabethinen hat die Gestfreundschaft einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist einer der elisabethinischen Grundsätze, die sich aus den sieben Werken der Barmherzigkeit ableiten. Aber was verstehen die Elisabethinen unter Gastfreundschaft?

Essen ist Ausdruck der Gastfreundschaft

Die Tischgemeinschaft mit Essen und Trinken steht bei Besuchen oft im Mittelpunkt. Beim gemeinsamen Mahl entstehen Gespräche und man kommt sich näher. Als Gastgeberin bemüht man sich, den Gästen etwas Schmackhaftes zu servieren, auch wenn es ganz einfache Getränke und Gerichte sind. Das ist auch den Elisabethinen ein Anliegen. Deshalb legen sie in ihren Einrichtungen großen Wert auf gute Verpflegung. In den Krankenhäusern, in Wohn- und Pflegeeinrichtungen, aber auch in den Cafes wird darauf geachtet, dass die Menschen nicht nur fachlich, sondern auch kulinarisch gut versorgt werden.

Bei Festen aller Art wird die Gastfreundschaft der Ordensfrauen und ihrer Einrichtungen spürbar und erlebbar. Nicht selten stehen sie selber am Büffet und bedienen ihre Gäste. Oder sie mischen sich unter die Gäste und unterhalten sich über Gott und die Welt. So darf auch nach kulturellen Veranstaltungen, beispielsweise bei Konzerten oder Vernissagen am Linzer Ort der Begegnung, eine anschließende Agape mit gemütlichem Beisammensein in keinem Fall fehlen.

Wo die Gastfreundschaft erlebbar wird

Gastfreundschaft spürt man bei den Elisabethinen auch in den Cafes der Krankenhäuser in Graz, Linz und Wien. Diese stellen wir Ihnen auf den folgenden Seiten vor. Ganz im Sinne der hl. Elisabeth ist die Gastfreundschaft für Bedürftige Menschen, die tagtäglich bei den Elisabethinen verpflegt werden. Auch darüber lesen Sie noch in dieser Ausgabe. Und wir dürfen über ein Treffen der Elisabethinen aus ganz Europa berichten, das im September in Linz stattgefunden hat. Auch dort wurde die Gastfreundschaft deutlich spürbar.

M. Etlinger