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Expertise, Charakter und Schutzherrin

Interview mit Primaria Dr.in Elisabeth Roth, Leiterin der Abteilung Anästhesie, Intensiv und Schmerzmedizin im Krankenhaus der Elisabethinen Graz

 

Wie hat es Sie zu den Elisabethinen Graz verschlagen?

E. Roth: Ich habe meine Facharztausbildung zur Anästhesistin im LKH Deutschlandsberg (Weststeiermark, Anm. d. Red.) absolviert und bin auf meinem Arbeitsweg immer am Krankenhaus der Elisabethinen in Graz vorbeigefahren. Da dachte ich oft scherzhaft: „Eigentlich sollte die Elisabeth bei den Elisabethinen arbeiten.“ Im Jahr 2011 hat sich mein Lebensmittelpunkt nach Graz verlagert und ich habe mir mehr medizinische Herausforderung gewünscht. Deshalb habe ich mich bei den Elisabethinen beworben, seit 1. April 2011 bin ich hier.

Seit 1. Juli 2018 leiten Sie nun als Primaria die Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin. Was hat sich dadurch an Ihrem Arbeitsalltag geändert?

E. Roth: Es ist ein 24-Stunden-Job. Ich bin – wie davor – regulär zu Diensten im OP und in der PDU eingeteilt und zusätzlich Chefin der Abteilung. 
Das koordinative Arbeiten ist glücklicherweise kein Neuland, weil ich in den letzten Jahren viele Strukturen in der Abteilung mit-aufbauen und mitgestalten durfte.

Sie stehen als Primaria einem Team vor, in dem sie jahrelang selbst als Oberärztin mitgearbeitet haben. Gab es dadurch Schwierigkeiten?

E. Roth: Es ist natürlich schwieriger, wenn der Chef aus dem Team kommt. Deshalb wollte ich von Anfang an alle abholen. In den ersten eineinhalb Monaten habe ich 13 Mitarbeitergespräche geführt, das wurde positiv aufgenommen. Für mich persönlich ist es an der Spitze eine Spur einsamer.

Wie gestalten Sie Ihre Führungsrolle?

E. Roth: Ich will nicht nur fachliche Expertise zeigen, sondern auch Charakter. Außerdem will ich einen ethischen Blickwinkel auf die Arbeit bewahren. Mir liegt es sehr am Herzen, meinem Team Wertschätzung zu zeigen. Anästhesisten verstehen sich selbst oft als Einzelkämpfer. Ich will die ganze Abteilung gut vereinen und die Schutzherrin meiner Einzelkämpfer sein.

Was tut sich derzeit in der Abteilung für Anästhesie?

E. Roth: Wir arbeiten an hausinternen SOPs, das sind Standard-Vorgänge bei bestimmten Krankheiten oder Notfällen. Im Rahmen des „Patient Blood Management“ arbeiten wir daran, dem Patienten Blutkonserven zu ersparen, um sein Outcome zu verbessern und eine geringere Mortalität für ihn zu erzielen.

Stolz bin ich, die opiatfreie Anästhesie als Narkoseform eingeführt zu haben, als Erste in Österreich. Eine große Änderung bringt natürlich der Regionalstrukturplan 2025 mit sich, in dessen Rahmen unser Haus noch enger mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz kooperiert. Wir führen dazu bis 2025 die Anästhesie-Abteilungen beider Häuser zusammen.

Haben Sie einen Leitsatz für die Arbeit?

E. Roth: Geht ned – gibt’s ned.

 

A. FELBER