Die Elisabethinen in Wien
Die Wurzeln unserer Ordensgemeinschaft gehen zurück auf die Betroffenheit über die große Not der Armen und Kranken in Aachen. Apollonia Radermecher - mit der Leitung des städtischen Armenspitals beauftragt - gründet 1622 mit zwei Gefährtinnen die Gemeinschaft der „Hospitalschwestern der heiligen Elisabeth“. Von Aachen aus verbreitete sich der Orden in eine Reihe von Städten und Ländern.
In Wien wurde das Kloster der Elisabethinen 1709 gegründet und von dort aus 1745 das Kloster Linz. 2007 erfolgt der Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Klöster Linz und Wien.
Im Geiste unsere Ordensgründerin wissen wir uns mit allen selbstständigen Elisabethinen-Klöstern mit ihren je eigenen Wirkungsbereichen miteinander verbunden und pflegen geschwisterlichen Austausch.
Hl. Elisabeth von Thüringen
1207 - 1231, Ordenspatronin
Lange vor der Gründung der Ordensgemeinschaft der Elisabethinen, säte die hl. Elisabeth den Samen für die Elisabethinen. Als Landgräfin Elisabeth von Thüringen die ersten Franziskaner kennenlernte, übte ihr Ideal der befreienden Besitzlosigkeit großen Einfluss auf sie aus. Beeindruckt von deren Lebensweise stellte Elisabeth ihr Leben in den Dienst der Nächstenliebe für Arme und Kranke.
„Seht, ich habe euch gesagt, dass wir die Menschen froh machen müssen!“
Apollonia Radermecher
1571 - 1626, Gründerin der Ordensgemeinschaft
Die Aachener Bürgerstochter sah als Leiterin des städtischen Armenhospitals täglich die Not der Armen und Kranken. Deshalb gründete sie gemeinsam mit zwei Gefährtinnen die „Gemeinschaft der Hospitalschwestern der Hl. Elisabeth nach der Regel des Dritten Ordens des Hl. Franziskus“ im Jahr 1622. Daraus entstand die „Ordensgemeinschaft der Elisabethinen“, die sich rasch von Aachen aus in mehrere Städte verbreitete.
Maria Josepha Rupé
1659 – 1736, Erste Oberin im Kloster Wien
Sr. Maria Josepha Rupé, stammte ursprünglich aus dem Elisabethinen-Kloster Düren bei Aachen (Deutschland). Die Gemeinschaft wurde gebeten Schwestern nach Graz zu entsenden, um auch dort eine Ordensniederlassung und ein Krankenhaus aufzubauen, um kranke, mittellose Frauen und Wöchnerinnen zu pflegen. 1690 kam Sr. Maria Josepha Rupé mit zwei Mitschwestern nach einem monatelangen Fußmarsch in Graz an und baute dort mühevoll Kloster und Spital auf. Wie strapaziös die Anreise gewesen sein musste, zeigt allein schon die Tatsache, dass eine vierte Mitschwester aufgrund der Anstrengung unterwegs verstorben war.
Sr. Maria Josepha Rupé leitete 18 Jahre die wachsende Klostergemeinschaft in Graz. Zwei weitere Gründungen wurden in dieser Zeit geplant und durchgeführt, Wien (1709) und Klagenfurt (1710).
Gründung in der Kaiserstadt Wien
Wohltätige Damen des Wiener Adels beschlossen gegen Ende des 17.Jahrhunderts ein Kloster mit angeschlossenem Spital zu stiften und zu fördern. Die Wahl fiel auf die Elisabethinen, deren Ausgezeichneter Ruf bekannt war. Man hatte an die Oberin in Graz, Sr. Maria Josepha Rupé, geschrieben und um nähere Informationen ersucht. Erste Schritte wurden unternommen doch bis zur Durchführung der Pläne sollten noch einige Jahre vergehen. Nach 11-jährigem Ringen um den Erhalt diverser geforderter Genehmigungen war es dann so weit.
Am 24. August 1709 kam Maria Josepha Rupé mit zwei Mitschwestern in Wien an, um die neue Ordensniederlassung samt Spital aufzubauen. Das bereits zuvor erworbene Haus „Schwarzer Ochse“ in der Ungargasse wurde den Anforderungen entsprechend adaptiert und bezogen. Es erwies es sich jedoch bald als viel zu klein und unzureichend. Bereits ein Jahr später erwarb Fürstin Maria Antonia Montecuccoli für die Elisabethinen Grund und Gebäude an der Landstraße. Die Ordensfrauen adaptierten die Räumlichkeiten für ihre Bedürfnisse und keine drei Wochen später wurden die ersten Kranken aufgenommen und gepflegt.
Wenn auch schon in Wien, Maria Josefa Rupé war zugleich noch Oberin des Grazer Konventes, wo es ebenso dringende Angelegenheiten zu regeln gab. So reiste sie Anfang des Jahres 1710 zurück nach Graz. Denn zum einen stand die Verabschiedung von vier Schwestern für die von Graz ausgehende Gründung in Klagenfurt an und zum andern galt es die Nachfolge der Oberin in Graz zu regeln. Maria Josepha Rupé selbst nahm erneut Abschied von Gemeinschaft und Kloster, um mit fünf Mitschwestern für immer nach Wien zu übersiedeln.
Nun war sie 52 Jahre alt, energisch, erfahren, vertraut mit allen geistlichen und weltlichen Pflichten und bereit aus der noch reichlich unfertigen Gebäudeanlage das Beste für die Schwestern und die Kranken zu machen.
Obwohl die rasch wachsende Gemeinschaft erst gestaltet und gefestigt werden musste, und der Konvent noch sehr mit dem Aufbau von Kloster und Spital beschäftigt war, kam bereits nach wenigen Jahre die Anfrage aus Prag auch dort deine derartige Niederlassung zu gründen. Vom Wiener Kloster aus erfolgten Gründungen in Prag (1719), Bratislava (1738), Linz (1745), Brünn (1754) und Budapest (1785).
Sr. Maria Josepha Rupé leitete den Wiener Konvent vom Gründungsjahr 1709 bis zu ihrem Tod 1736.
„Die Seele ist nicht dort, wo sie lebt, sondern wo sie liebt.“
Das Zitat von Johannes vom Kreuz (1542-1591) ist für Sr. Maria Josepha Rupés Wesen bezeichnend. Ihr Leben war geprägt von der Liebe zu den ihr anvertrauten Menschen, Schwestern und Kranken und der Bereitschaft und dem Mut, dafür Vertrautes loszulassen und Neues zu wagen.
Quelle: Drechsler, E.; Mayrhofer, M.A. (2009): Starke Frauen im Wandel der Zeit, Die Wiener "Lieserln" 1709-2009; Wagner Verlag.
| 1709 | Das Kloster der Elisabethinen in Wien wird gegründet. |
| 1715 | Das St. Elisabeth Spital wird eröffnet. |
| 1745 | Aufbruch von Wiener Schwestern zur Gründung der Elisabethinen in Linz. |
| 1749 | Kaiserin Maria Theresia stiftet die Spitalsapotheke. |
| 1836 | Der neue Spitalstrakt wird eröffnet. |
| 1846 | Im Zuge der Choleraepidemie in Wien erhielten die Elisabethinen ein Dekret zu Anerkennung und Lob für aufopfernde Krankenpflege. |
| 1913 | Der Spitaltrakt wird erweitert. |
| 1945 | Es erfolgt die Rückgabe des Spitals vom Roten Kreuz an die Elisabethinen. |
| 1965 | Es werden weitere Gebäude zu- und ausgebaut. |
| 1980er | Das Spital der Elisabethinen wird neu gebaut. |
| 2007 | Der Konvent der Elisabethinen Wien fusioniert mit den Elisabethinen Linz. |
| 2009 | 300 Jahre Elisabethinen Wien |
| 2017 | In Wien entsteht im Zusammenschluss mit den Hartmannschwestern das Franziskusspital. |
| ... und heute | Die Geschichte der Elisabethinen begann im 13. Jahrhundert. Sie wird weiterhin Mut, Entschlossenheit und prophetisches Denken erfordern. |
Elisabethinenkirche
Die Kirche „Zur heiligen Elisabeth" erbaute vermutlich Franz Jänggl. Baubeginn war 1709, die Weihe erfolgte am 6. September 1711. Es ist aus verschiedenen Gründen nicht auszuschließen, dass die Pläne von Johann Lukas von Hildebrandt stammen.
Nach den durch ein Hochwasser des Wienflusses am 5. Juni 1741 angerichteten Schäden an den Fundamenten wurde die Kirche durch Franz Anton Pilgram wiederhergestellt, umgebaut und vergrößert. Baubeginn war am 18. September 1743. Bereits ein Jahr später war das Kirchengewölbe geschlossen und der Turm fertig gestellt, der allerdings noch ohne Dach blieb. So rasch wie die Bauarbeiten begonnen haben gehen sie nicht weiter.
Der Bau zog sich infolge Geldmangels in die Länge. 1748 konnte dank einer Stiftung der Kaiserin Maria Theresia konnte der Turm vollendet werden, am 20. Juli 1748 wurde das Turmkreuz aufgezogen und am 28. Juni 1749 findet die feierliche Einweihung der Kirche statt.
Die barocke Fassade
Der Bau Pilgrams ist durch die Verschmelzung von Kirche und Klostergebäude charakterisiert; die Kirchenlängsfront mit ihrer Pilastergliederung und dem geschwungenen Giebel wurde zur Schauseite gestaltet. Der übergiebelte Mittelrisalit (mit Kirchturm) bildet mit dem Kircheneingang eine funktionelle und optische Verbindung zwischen Kirche und Kloster.
Das Kircheninnere
Von besonderer Bedeutung ist die einheitliche und qualitätvolle Ausgestaltung. In den Türflügeln sieht man Symbole des Franziskanerordens (gekreuzte Arme unter einem Kreuz), darüber eine Krone (Landgräfin Elisabeth, Ordensheilige), oben das Monogramm „E“. Einer Ordenskirche entsprechend, besitzt die Kirche über dem Musikchor den Betchor der Nonnen.
Der Hochaltar
Der Hochaltar, der die ganze Südwand der Kirche bedeckt, wurde nach einem Entwurf Pilgrams von Josef Pendl ausgeführt. Das Hochaltarbild, von Quirin Johann Zimbal im Jahr 1749 gemalt, stellt die Aufnahme der hl. Elisabeth in den Himmel dar.
In den vier Altarskulpturen sind der hl. Franziskus, der hl. Josef mit dem Jesuskind, die hl. Anna mit Maria und der hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind zu erkennen.
Neben dem Altarbild nehmen die sechs am Sockel angebrachten vergoldeten Reliefs Bezug auf die hl. Elisabeth. Sie zeigen Szenen aus ihrem Leben.
Die Seitenaltäre
In vereinfachter Form zeigen die Seitenaltäre einen ähnlichen Aufbau wie der Hochaltar. Sie wurden allerdings im Jahr 1824 um zwei Säulen verschmälert und in ihrem Aufbau verkürzt. Der linke Seitenaltar wird als Kreuzaltar bezeichnet und zeigt eine Darstellung der Armen Seelen von J. Hermann aus dem Jahr 1824, die ein hölzernes Kreuz hinterfängt. Die Seitenfiguren sind die hl. Maria und der hl. Johannes. Am Giebel halten Engel die Leidenswerkzeuge, und den Abschluss bildet die geschnitzte Darstellung von Gottvater mit der Weltkugel und der Heiligengeist-Taube im Strahlenkranz.
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Livinius mit einem Bild von Johann Georg Baumgartner geweiht und trägt die Datierung von 1711. Die Seitenfiguren stellen den hl. Blasius und den hl. Liborius dar. Am Gebälk sieht man die Erzengel Gabriel und Raphael, und die Bekrönung erfolgt durch den Erzengel Michael. Über der Mensa ist ein Glassarkophag mit den Gebeinen der hl. Columba eingelassen.
Kanzel
Die Kanzel an der südlichen Langhauswand stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und besteht aus einem Korb mit geschwungener Brüstung und einem Schalldeckel. Drei Felder der Brüstung sind mit vergoldeten Reliefs verziert, die den reichen Fischfang, den Guten Hirten und das Gleichnis vom Sämann zeigen.
Epitaph der ersten Wiener Oberin Maria Josepha Rupé
An der rechten Wand im dritten Joch vom Hochaltar her gesehen befindet sich das Epitaph (Grabmal) der 1736 verstorbenen ersten Wiener Oberin Maria Josepha Rupé. Auf der architektonisch gerahmten Inschrifttafel aus schwarzem und bräunlichen Marmor ist die Reliefbüste der Oberin zu erkennen sowie das Wappen des dritten Ordens.
Quelle: Drechsler, E.; Mayrhofer, M.A. (2009): Starke Frauen im Wandel der Zeit, Die Wiener "Lieserln" 1709-2009; Wagner Verlag.








