Elisabethinenkirche hl. Franciscus seraphicus

Nach den Plänen des Wiener Baumeisters Paul Ulrich Trientl wurde 1762 mit dem Bau der Kirche begonnen. Sie wurde an der Westseite des Südtraktes in den Klosterkomplex integriert. Der Chor ist daher nicht wie üblich nach Osten, sondern nach Norden gerichtet. Noch im gleichen Jahr starb die Klostergründerin Ernestine von Sternegg, jedoch wissend, dass der Klosterbau finanziell gesichert war. Dies war dem Umstand zu verdanken, dass die junge Adelige Anna von Baumbach in den Linzer Konvent eingetreten war und schon vorher ihr gesamtes Vermögen dem Kloster vermacht hatte - sie gilt daher als zweite Stifterin.

Erst einige Zeit nach Baubeginn, am 5. Juni 1764, fand die Grundsteinlegung statt. Am 25. Oktober 1768 konnte das neue Gotteshaus benediziert werden; die feierliche Kirchenweihe erfolgte am 21. Juli 1834. 1833 wurde die Turmuhr angeschafft und die Einrichtung erneuert. Der Fassadenturm, der infolge fehlender Mittel vorerst unvollendet blieb, wurde 1843-1845 ausgebaut. In den 2 Weltkriegen mussten jeweils die Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden. Die heutigen Glocken aus der Gießerei Perner stammen aus dem Jahr 2012.

 Dominierend im Fernblick ist die über dem Kirchenschiff aufragende Kuppel. Die Elisabethinenkirche ist die einzige große Kuppelkirche im Linzer Stadtgebiet.

Rundgang durch die Kirche

Das Grundrisskonzept dieses barocken Kuppelbaues lässt in stark vereinfachter Form Bezüge zur Wiener Karlskirche des J.B. Fischer von Erlach erkennen. Die Linzer Elisabethinenkirche zeigt sich innen als zweiseitig symmetrische Anlage um einen hohen quadratischen Mittelraum, über dem sich die kreisrunde Kuppel mit Laterne und drei Fenstern wölbt. Obwohl noch in der Ausdruckswelt des Barock beheimatet, lassen Architektur und Innenausstattung bereits klassizistische Einflüsse erkennen.

Die Fresken

Noch eher in barocker Tradition stehen die von Bartolomeo Altomonte (1702-1779) um 1768 ausgeführten figürlichen Deckenfresken. Seine Fresken werden gerahmt von einer plastisch wirkenden dekorativen Malerei mit Ziermotiven des Architekturmalers Matthias Dollicher.

Im Chor über dem Hochaltar ist die Glorie der hl. Elisabeth dargestellt, ihre Aufnahme in den Himmel. Die in dunklem Ordenshabit gekleidete Heilige kniet vor Christus, hinter ihr halten zwei weibliche Gestalten Attribute des Leidens, Geißel und Joch. Unter dieser Gruppe sind drei allegorische Figuren zu erkennen. Sie verkörpern die Nächstenliebe, die Frömmigkeit und die Freigebigkeit.

Im großen Kuppelfresko sind acht franziskanische Heiligengruppen auf Wolken angeordnet und von Putten umgeben. Das zentrale Thema ist die Verherrlichung des hl. Franziskus um ihn scharen sich verschieden Ordensheilige, unter ihnen auch einige Elisabethinen.

In den Gewölbezwickel sind die vier lateinischen Kirchenväter Papst Gregor der Große (mit Taube), Ambrosius (mit Bienenkorb), Augustinus (mit Flammenherz) und Hieronymus (mit Löwe) dargestellt.

Im Musikchor über der Orgel schließlich halten musizierende Engel verschiedene Instrumente und Notenblätter, darüber steht im Strahlenschein dreimal "Sanctus" - Heilig, Heilig, Heilig.

 

Der Hochaltar

Das barocke Hochaltarbild mit der Kreuzigung Christi und den Assistenzfiguren Maria, Maria Magdalena und Johannes ist barock (2. Hälfte 18. Jhdt.) und diente früher als Fastenbild; seit der Restaurierung 1960 ist es hier als ständiges Hochaltarbild angebracht.

Ebenfalls seit 1960 steht im Zentrum unter dem Bild eine bemerkenswerte barocke Muttergottesstatue (Mitte bzw. 2. Hälfte 17. Jhdt.). Im Stil und im Geist der Zeit von Gegenreformation und katholischer Reform ist sie als Himmelskönigin dargestellt, in der rechten Hand hält sie das ebenfalls gekrönte Jesuskind, in der linken Hand das Zepter; Strahlenkranz und Engel sind jüngere Ergänzungen (20. Jhdt.).

Im Zuge weiterer Renovierungen wurden die beiden seitlichen Statuen von Josef Rifesser (20. Jhdt.) zeigen die zwei Ordenspatrone der Elisabethinen. Links die hl. Elisabeth von Thüringen mit Brot und Rosen als Zeichen ihrer Mildtätigkeit, rechts der hl. Franz von Assisi mit Evangelienbuch.

 

Die Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre, die im Aufbau dem Hochaltar gleichen, sind mit Bildern des Malers Johann Anton Zitterer aus dem Jahr 1833 ausgestattet.

Am linken Altar zeigt das Altargemälde die hl. Elisabeth von Thüringen, die Gaben an Arme und Kranke verteilt. Auf der Mensa birgt der Glasschrein in Tabernakelform eine Kopie des berühmten Prager Jesuleins, eine prunkvoll bekleidete und gekrönte Wachsfigur des segnenden Christkindes; in der linken Hand hält es den Reichsapfel als Zeichen seiner himmlischen Allmacht, aber auch schon als Hinweis auf Christus als Erlöser der Menschheit.

Am Bild des rechten Altars sieht man die hl. Anna und ihrer Tochter Maria, die den Jesusknaben auf dem Schoß hält. Hinter ihr steht der hl. Nährvater Josef mit dem blühenden Stab, links neben Anna hält die kniende hl. Elisabeth ihren Sohn Johannes (der spätere Täufer Christi), dahinter stehen der hl. Joachim und ein weiterer Heiliger. Im Glasschrein auf der Mensa steht eine barocke Pietà (Mitte 18. Jhdt.), die auch als Vesperbild bezeichnete Darstellung der trauernden Maria, die den Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß hält.

 

Sonstige Ausstattung

Die barocke Kanzel stammt ursprünglich aus der Kirche von Lorch bei Enns und wurde bei der Innenrenovierung 1965 in die Elisabethinenkirche übertragen, als Ersatz für die frühere Neorenaissance-Kanzel aus dem späten 19. Jahrhundert. Die barocken Konsolfiguren (2. Hälfte 18. Jhdt.) seitlich der Orgelempore stellen den hl. Florian (mit Wasserschaffl; Linzer Diözesanpatron und Landespatron von Oberösterreich) und den als Wetterpatron verehrten hl. Donatus (Blitze) dar. Die Kirchenorgel (urspr. Werk war von Nikolaus Rumel d. Ä., 1890 Aufstellung einer neuen Orgel des Orgelbauers Johann Lachmayr aus Urfahr) wurde 1986 von der Orgelbaufirma Riedl aus Krems unter Anleitung von Prof. Hermann Kronsteiner von einer pneumatischen Orgel auf eine mechanische umgebaut, das Gehäuse blieb jedoch erhalten. Die Kirchenbänke mit Verzierungen im Zopfstil stammen aus dem späten 18. Jahrhundert.

 

 

Quelle: Konvent der Elisabethinen (2010): Elisabethinenkirche hl. Franciscus seraphicus in Linz - Oberösterreich. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 508. Verlag St. Peter.